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"Lernstraße Bibel" im Bibelhaus Neustadt

Kontakt für Besucher der Lernstraße: www.bibelverein.de
Kontakt zum Religionspädagogischen Zentrum: Tel.: 06321 33559
    

"Im Erzählzelt liegen Marc, Andreas und David. Sie hören gerade die Geschichte von Jakob und Esau, die über einen CD Player eingespielt wird. Mit Hilfe einer Konkordanz versuchen Aliona und Sophie herauszufinden, wo in der Bibel ein kleiner Text aus dem Johannesevangelium steht, den sie auf einem Papierschnipsel gefunden haben.

 
Eva und ihre Freundinnen hören das Vaterunser in verschiedenen Sprachen über einen Walkman und schauen sich die Bibel an, in der Sprache, in der gerade gesprochen wird. Matthias, Patrick und René versuchen sich gerade im mittelalterlichen Scriptorium am Schreiben von biblischen Versen mit echten Gänsefedern und Tinte. Sie alle sind so vertieft in ihre Arbeit, dass sie die Zeit vergessen. Als ihre Lehrerin nach zwei Stunden zum Aufbruch ruft, dringt ein enttäuschtes „Jetzt schon?“ über die Lippen von Melanie, die gerade noch einen Papierapfel mit einem biblischen Spruch beschreibt, um ihn am Bibelbaum aufzuhängen.     

Seit knapp einem Jahr hat der Pfälzische Bibelverein in Zusammenarbeit mit dem Amt für Religionsunterricht der Evangelischen Kirche der Pfalz die Bibelausstellung für religionspädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen umgestaltet und für Schulen, Jugendkreise und Konfirmandengruppen neu geöffnet.

Es entstand in monatelanger Arbeit eine Lernstraße, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene begeistert. „Die Vorbereitung war deshalb so langwierig, weil wir mit Gruppen und Religionspädagog/innen ausprobieren wollten, wo es noch klemmt und wo wir noch etwas verändern müssen“, so der Verantwortliche für die Ausstellung, Pfarrer Michael Landgraf, der hauptamtlich Bezirksbeauftragter für den Religionsunterricht in der Evangelischen Kirche der Pfalz mit Sitz in Neustadt ist.

Die neu konzipierte Lernstraße will den Besuchern einen Einblick in die Entstehung und den langen Weg der Bibel geben.
    Doch über das historische Interesse hinaus soll auch die Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes heute gefördert werden. Spielerische Zugänge wie auch handwerklicher Umgang mit Schreibmaterialien verschiedener Zeiten bis hin zur Computerbibel machen die Ausstellung für Kinder, Jugendliche und Erwachsenen gleichermaßen spannend.

  „Gerade die Unterschiedlichkeit der Gruppen ist eine Herausforderung. So hatten wir schon unzählige Schülergruppen aus Grundschule, Gymnasium, Haupt- Real- und sogar Sonderschule, Konfirmanden- und Jugendgruppen, aber auch Pfarrkonferenzen, Frauenkreise und Seniorengruppen. Je nachdem müssen wir ein wenig an der Ausstellung und den Arbeitstischen verändern, dass es den Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Interessen auch Spaß macht“, so Landgraf.
Für die Stationen braucht man ungefähr 1 ½ Stunden bis 2 Stunden. Die Kinder und Jugendlichen werden nach einer kurzen Einführung in die Ausstellung mit einem Entdeckungsblatt ausgerüstet. In Kleingruppen machen sie sich dann an die Stationen, die sie nach und nach besuchen.
Im Erzählzelt, einem aus einfachen Rankgittern gebauten und mit Decken überzogenem achteckigen Raum,  läuft die gesamte Zeit die CD „Das große Bibelhörbuch“ der DBG, die gut bis zur sechsten Klasse auf diese Weise eingesetzt werden kann. Dieser Raum bildet eine Ruhezone, in der das Erzählen von biblischen Geschichten zur Zeit der Nomaden nachempfunden werden kann.     

Die nächste Station macht mit den Ursprachen der Bibel vertraut. Mit den fremden Buchstaben können die Besucher ihren Namen schreiben und über Walkman einen Bibeltext in den alten Sprachen hören. Ein Bibelregal mit 66 biblischen Büchern muß in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Schreibmaterialien und archäologische Fundstücke aus der Gegend um den See Genezareth lassen an einer weiteren Station die Zeit der Bibel greifbar entstehen. So kann man mit Griffeln auf Wachstafeln schreiben und „echte Scherben“ aus der Zeit Davids und Jesus anfassen. Im mittelalterlichen Scriptorium leitet ein Mönch zum Schreiben biblischer Sprüche mit der Gänsefeder an. Wer Lust hat, kann selbst in eine Mönchskutte schlüpfen und ausprobieren, wie schwierig es sein mußte, so eine Bibel abzuschreiben.
    Wenige Schritte weiter wartet schon Meister Gutenberg, der die Besucher in den Gebrauch der Druckerpresse einweist.

Zwölf Bibeln in verschiedenen Sprachen und die Hörprobe mit dem Vaterunser in der jeweiligen Landessprache auf Hörkassette geben einen Einblick in die Verbreitung der heiligen Schrift. Ein besonderes Erlebnis ist es, wenn Besuchergruppen aus den Partnerkirchen der Evangelischen Kirche der Pfalz, Korea oder Ghana, im Bibelhaus zu Gast sind, wie dies in diesem Jahr der Fall war. Besonders zu Ghana besteht für den Bibelverein eine besonders Beziehungen, da über die Weltbibelhilfe der Verein an der Übersetzung der Bibel in die Sprache TWI mitgewirkt hat.

Weiterhin geben eine Blindenbibel, die kleinste Bibel der Welt auf Mikrofiche sowie eine Computerbibel geben einen Einblick in die Verbreitung und Vielfalt der Bibel heute. An weiteren Stationen wird die Bibel spielerisch entdeckt. So kann man hier bei Bibelfußball, Memory und Würfelspiel einen Einblick in die Vielfalt der biblischen Geschichten gewinnen. In einem Zuordnungsspiel sollen biblische Worte und Weisheiten mit Lebenssituationen in Verbindung gebracht werden. Schließlich darf jeder sich vom Bibelbaum, einem großen Ast eines Kirschbaums, der bis zur Decke reicht, eine Frucht mit einem biblischen Vers abmachen und mit nach Hause nehmen. Damit der Baum immer voll ist, schreibt jeder Teilnehmer einen biblischen Spruch, den er gut findet, auf einen Apfel aus Papier und hängt ihn an den Baum.

Inzwischen ist das Bibelhaus auch innerhalb der religionspädagogischen Landschaft in Rheinland Pfalz bekannt. Im neuen Lehrplan Evangelische Religion 5/6 und in den „Religionspädagogischen Heften“ wurde auf die Ausstellung im Bibelhaus als „außerschulischen Lernort“ hingewiesen, und auch eine Radioreportagen und Zeitungsartikel haben die Aufmerksamkeit auf das Bibelhaus gelenkt. Da in den neuen didaktischen Konzeptionen, die von den Kultusministerien gefördert werden, außerschulisches Lernen einen immer wichtigeren Platz einnehmen wird, wird das Bibelhaus wohl auch in Zukunft eine gefragte Adresse sein.

Seit November 1999 finden hier auch regionale Fortbildungsveranstaltungen für Religionslehrer/innen der Region Neustadt statt. Darüber hinaus hat der Pfälzische Bibelverein den Bereich der Erwachsenenbildung neu für sich entdeckt. Seit dem Spätjahr 2000 gibt es im Bibelhaus ein Erwachsenenbildungsprogramm des theologischen Referenten des Bibelvereins, Dr. Markus Sasse. So finden jeden Donnerstag Abend Kurse und Workshops zu biblischen Themen statt. „Es geht mir darum, die theologische Kompetenz der Menschen im Umgang mit der Bibel zu stärken“, so Dr. Sasse. Auch diese Abende, die in Mitten der Bibelausstellung stattfinden, werden gut angenommen.

Probleme bei der Neukonzeption gibt es allerdings, da bei dem großen Andrang in der Bibelausstellung zu wenig Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Bisher zeigten sich sechs Personen ehrenamtlich bereit, Führungen zu übernehmen.
Da diese allerdings zum Teil einen weiten Anreiseweg haben, wird es manchmal eng. Hier gilt es, so der Vorsitzende des Bibelvereins Dr. Peter Busch, verstärkt nach ehrenamtlichen Mitarbeitern Ausschau zu halten, die ab und an eine Gruppe übernehmen können".